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Die Moldau - der Klassiker von Smetana

        
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Brief description Wenige Musikstücke beschreiben einen Fluss so einprägsam die Smetana´s Moldau. Wir verfolgen den Fluss von den Quellen bis zur Mündung in die Elbe und blicken auch zurück auf das Jahr 2002, als die Moldau für verheerende Überschwemmungen sorgte.
Type Gebauter Beitrag
Language deutsch
Subject area Music, Environment
Series Grünfunk (Greenpeace München)
Production Date 26.01.2012
Author/s Winfried Mehrling / Alexander v. Dercks (Greenpeace München)
Radio LORA München 92,4 MHz und DAB+ 11C
Gravelotte Str. 6
81667 München
fon: 089/480285-1, fax: -2
info(at)lora924.de
Length 13:43 minutes
Name/Size 20120127-diemoldau-45991.mp3 / 25729 kB
File type MPEG-1 Layer 3, 256 kbit/s, Joint Stereo, (44100 kHz)
Date 31.01.2012/12:26
Lizenz
Creative-Commons
Nichtkommerziell, Bearbeitung erlaubt, Weitergabe unter gleicher Lizenz erwünscht.
Creative-Commons Lizenzvertrag
Script “Die Moldau”

Moldau 1 (00:50)

Wer kennt sie nicht, die berühmte “Moldau”. Der tschechische Komponist Bedrich Smetana hat Mitte des 19. Jahrhunderts den Lauf der Moldau von ihren Quellen bis zur Mündung musikalisch beschrieben. Sie entspringt im Böhmerwald und hat zwei Quellen, die warme und die kalte Moldau. Sie durchfließt Gebirgsschluchten und die Ebenen Tschechiens, vorbei an Dörfern und kleinen Städten. Schließlich wälzt sie sich als breiter Strom an der alten Königsburg Vysherad vorbei und durch die Stadt Prag. Nach ungefähr 430 Kilometern mündet sie bei Melnik in die Elbe.

Smetanas Moldau ist der Inbegriff für naturbeschreibende Musik, für Programmmusik. Sie ist die poetische Idee des Fließens: eine Vielzahl an musikalischen Motiven versinnbildlicht das Plätschern, Fließen, Strömen und Wogen akustisch. Lassen Sie uns den Fluß begleiten, von der Quelle bis zur Mündung.

Zwei Quellbäche, der eine warm und lebhaft, der andere kühl und ernst, entspringen im Schatten des Böhmerwaldes; sie plätschern munter im Gestein und glitzern in der Sonne. Smetana bescheibt dies mittels zweier Querflöten. Die erste Querflöte beginnt und spielt die erste Quelle. Etwas später setzt die zweite Querflöte für den zweiten Quellfluss ein. Der Komponist verwebt die beiden Bäche ineinander, so wie das Wasser sich mischt und zu einem harmonischen Gesamtgebilde wird.

Moldau 2 (01:16)

Die fließenden Figuren der Einleitung vereinigen sich zu einer einzigen Figur in den Streichern. Aus den kindlich anmutenden Quellflüssen wurde ein Fluß: Die Moldau ist geboren.

Jetzt wird die Moldau bei ihrer Wanderung durch Böhmen wasserreicher , lebendiger, kraftvoller, die Musik beschreibt sie zunehmend heiterer und quirliger. Beim Durchfließen einer Gebirgsschlucht spürt man förmlich das Wilde, Gefährliche eines über große Felsen hinabstürzende Wasser, was Smetana mit Blechbläsern eindringlich schildert. Geheimnisvoll rauschend schlingt sich die Moldau dann durch dunkle Kiefernwälder, aus denen das muntere Treiben einer Jagd hallt.

Moldau 3 (00:51)

Folgend wir der Moldau durch liebliche Auen, saftige Fluren und fruchtbare Ebenen. An ihren Ufern feiert das Landvolk mit fröhlichen Weisen und heimischem Tanz eine Dorfhochzeit. Da dürfen Geiger und eine Polka natürlich nicht fehlen

Moldau 4 (00:44)

Die Nacht senkt sich zur Erde, der Hochzeitsjubel verstummt, geheimnisvolle Stille liegt über dem Land. Bei fahlem Mondschein beleben nun Nymphen und Nixen die Ufer und schwingen über den silberglänzenden Wellen ihren Reigen, während als Zeugen vergangener Herrlichkeit ernst und stumm Burgen und Schlösser auf den Hängen ragen, Mahnmale vergangener Größe und Glorie. Smetana läßt hier Geigen und Bratschen einen Reigen spielen.

Moldau 5 (01:07)

Die Idylle währt nicht lange: Von Felsen eingeengt, stürzen mit donnerndem Getöse schäumend die Wasser durchs Tal und bilden tückische Wirbel. Die Sankt-Johann-Stromschnellen, auf deren Klippen sich die wild aufbäumenden Fluten zu Gischt zerstäuben, beschreibt Smetana mit großer Dynamik und Tempo, bevor die Moldau in majestätischer Ruhe gegen Pragfließt wo sie der altehrwürdige Vyšehrad von hohem Felsen niederblickend, grüßt. Während der Komponist die Wildheit des Flusses zunächst mit Moll-Akkorden umsetzt setzt er dann das Moldauthema in ein strahlendes Dur: Eine Hommage an die Stadt Prag, weniger Pathos als Stolz auf die Hauptstadt und das Land.

Moldau 6 (01:48)

Und dann ist die Stadt auch schon wieder vorbei: Eine wellenförmige Bewegung der Melodie symbolisiert fließendes Wasser. In mächtiger Breite rauscht der ewige Strom vorüber- bis er in unabsehbare Fernen entschwindet und nicht mehr zu hören und zu sehen ist.

Moldau 7 (00:27)



Wie schön, wie idyllisch hier ein Fluss beschreiben wird. Wie würde Smetana wohl komponiert haben, hätte er die Zustände im Jahr 2002 schildern wollen? Ein richtiges Gedankenexperiment für das wir keine so rechte Lösung finden werden, aber es lohnt sich einen Blick zurück zu werfen:

In den ersten Augusttagen des Jahres 2002 lösten starke Regenfälle schwere Überschwemmungen und verheerende Schlammlawinen in Deutschland, Österreich, Polen, Italien und Tschechien aus. Entlang der Moldau, in der Tschechischen Republik, kam es zu schlimmen Verwüstungen. Das Weltkulturerbe Cesky Krumlov stand unter Wasser.

Auch in Prag beklagten die Stadtväter das Flutunheil. Vor allem das historische Mala-Strana-Viertel, wo sehr viele Gebäude auf Sand errichtet sind, war betroffen. Beim Zurückweichen des Wassers entstanden Hohlräume unter den Häusern. Dies bedeutete: Einsturzgefahr. Im ebenfalls unter Wasser stehenden Prager Zoo ertrank der Elefant “Kadir”. Viele Straßen und Bahnlinien waren unterspült.

In Prag beträgt der normale Durchfluss der Moldau 150 Kubikmeter pro Sekunde. In den Augusttagen des Jahres 2002 waren es 5300, also 35 mal so viel. Die Prager U-Bahn war monatelang außer Betrieb. Der Stadtteil Karlin musste evakuiert werden. Unersetzliche Kunstschätze wie die Sammlungen im St.-Annen-Kloster, das in einer Senke liegt, wurden in Sicherheit gebracht. 17 Menschen starben in Tschechien wegen des Hochwassers.
Nördlich von Prag, wo die Moldau in die Elbe mündet, wurde in Neratovicedas das tschechische Chemie- und Pharmawerk Spolana überflutet, Abfälle und Betriebsstoffe weggeschwemmt.
Rächt sich die Natur für das, was ihr angetan wurde? War das die Rechnung für unseren rücksichtslosen Umgang mit ihr? Was sind die Ursachen für diese Umweltkatastrophe, mit der wir jedes Jahr aufs Neue rechnen müssen?
Eine der Ursachen ist nach einhelliger Meinung der Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte. Er lässt den Feuchtgehalt in der Atmosphäre steigen, wodurch Die Niederschalgsmenge steigt. Klimamodelle belegen, dass in Europa mit einer mittleren Temperaturerhöhung von 0,1-0,4°C pro Jahrzehnt zu rechnen ist. Nicht klar ist ob die einzelnen Regenfälle übers Jahr ergiebiger werden oder ob es verstärkt zu solchen Entladungen wie 2002 kommt – innerhalt kürzester Zeit gewaltige Wassermassen.

Neben dem zu hohen Emissionen von Kohlendioxid sind die Eingriffe des Menschen in den Natur- und Wasserhaushalt wie das Begradigen der Flüsse, das Versiegeln der Böden sowie die Bebauung der Flussauen. Der Mensch und sein Verhalten der Natur gegenüber ist das Problem. Es stellt sich die Frage: Ist Smetanas romantisch-wilde Beschreibung der Moldau wegen unseres Fehlverhaltens schon heute nur noch ein Mythos?

Kommentare
14.02.2012/15:21 hikE, Radio Unerhört Marburg (RUM)
gesendet in Frühschicht 13.2.2012
danke!
 

 
                
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