stoppt indect

ID 37555
 
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indect ist ein 15 000 000 € teurer felversuch der eu zur intelligenten zusammenführung europäischer datensätze zur "überwachung zwecks der sichheit der bürger".
http://www.stopp-indect.info
Audio
10:40 min, 9996 kB, mp3
mp3, 128 kbit/s, Stereo (44100 kHz)
Upload vom 24.11.2010 / 09:59

Dateizugriffe: 301

Klassifizierung

Beitragsart: Interview
Sprache: deutsch
Redaktionsbereich: Politik/Info, Internationales
Entstehung

AutorInnen: rabotz
Radio: RadioBlau, Leipzig im www
Produktionsdatum: 24.11.2010
CC BY-NC-SA
Creative Commons BY-NC-SA
Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen erwünscht
Skript
Was ist INDECT?

INDECT steht für "INtelligent information system supporting observation, searching and DEteCTion for security of citizens in urban environment" ("Intelligentes Informationssystem, das Überwachung, Suche und Entdeckung für die Sicherheit von Bürgern in einer städtischen Umgebung unterstützt"). Es ist ein Forschungsprojekt der Europäischen Union, startete 2009 und soll 2013 abgeschlossen sein.

INDECT ist das umfassendste Überwachungsprogramm, das je installiert werden sollte. Es umfasst nicht nur das Internet. Auch Menschen auf der Straße werden INDECT nicht entgehen. Was wie wirre Science Fiction klingt, könnte ab 2013 schwer zu begreifende Wirklichkeit werden.

Science Fiction war gestern. INDECT ist morgen !

INDECT verbindet sämtliche Daten aus Foren, Social Networks (z.B. Facebook), Suchmaschinen des Internets mit staatlichen Datenbanken, Kommunikationsdaten und Kamerabeobachtungen auf der Straße. INDECT wird wissen, wo wir sind, was wir tun, weshalb wir es tun und was unsere nächsten Schritte sein werden. INDECT wird unsere Freunde kennen und wissen, wo wir arbeiten. INDECT wird beurteilen, ob wir uns normal oder abnormal verhalten.

INDECT beinhaltet folgende Maßnahmen:

Im Internet

* Überwachung des Internets mit Hilfe von Suchmaschinen im www, UseNet, Social Networks (Facebook, WKW etc.), Foren, Blogs, P2P-Netzwerke sowie individuelle Computersysteme

* Auffinden von Bildern und Videos mit Hilfe von Wasserzeichen, sowie automatisierte Suchroutinen zum Aufspüren von beispielsweise Gewalt oder "abnormalem Verhalten"

* Eine weiterentwickelte Computerlinguistik deren Suchroutinen in der Lage sind Beziehungen zwischen Personen, sowie den Kontext einer Unterhaltung, z.B. in Chats, bei der Interpretation der Sprache, mit einzubeziehen

Auf der Straße

* Mobiles städtisches Überwachungssystem ("Mobile Urban Observation System").

* Drohnen = Fliegende Kameras (so genannte "Unmanned Aerial Vehicles" (UAV) wie etwa Quadrocopter)

* Die UAV sollen "intelligent und autonom" vernetzt werden und miteinander kooperieren, um verdächtige bewegliche Objekte automatisiert und eigenständig sowohl identifizieren als auch im städtischen Raum per Schwarmverhalten verfolgen zu können.

* Überwachungskameras nutzen präventiv die biometrischen Daten aus Pässen und Personalausweisen, um Personen zu identifizieren und Bewegungsmuster zu erstellen.

Die daraus erhaltenen Daten sollen in einer Datenbank gespeichert und durch bereits vorhandene Daten ergänzt werden. Dazu gehören unter anderem:

* Überwachungskameras

* Handy-Ortung (z.B. via GSM/GPS)

* Gesichtserkennung (z.B. via biometrischer Daten in elektronischen Ausweisen)

* Telekommunikationsüberwachung (Vorratsdatenspeicherung)

Als Kriterien für "abnormales Verhalten" wurden unter anderen folgende Punkte bei einer Umfrage mit polnischen Polizisten identifiziert:
Als gefährlich wird unter anderem eingestuft, wer...

* auf der Straße

* rennt

* kämpft

* falsch fährt

* zu schnell fährt

* im öffentlichen Nahverkehr

* auf dem Fußboden sitzt

* zu lange sitzt

* Gepäck vergisst

* im Stadion

* Flaschen wirft

* das Spielfeld betritt

* am Flughafen

* Gepäck vergisst

* zu lange sitzt

Aus den Fragebögen-Ergebnissen wird abgeleitet, welche Verhaltensweisen automatisiert erkannt werden sollen:

* Bewegung in die "falsche" Richtung

* "Herumlungern"

* Treffen von mehr als X Personen

* Autodiebstahl

* Laufen

* fallende Personen

* Gepäck vergessen

* Herumsitzen, länger als die Dauer X

* Schreien

* Schüsse, Explosionen

* fluchende Personen

Man ist also in nahezu jeder Situation verdächtig. Wer im öffentlichen Nahverkehr auf dem Fußboden sitzt, zu lange mitfährt oder sein Gepäck vergißt, muß mit Maßnahmen der Sicherheitskräfte rechnen. Genauso verdächtig sind "herumlungern", sich mit zu vielen Personen treffen und fluchen.
Anhand der gewonnenen Profile über jeden einzelnen sollen die automatisierten Programme lernen, sogenannte "Gefährder" selbständig zu erkennen. Wird ein solcher potentieller "Gefährder" erkannt, können seine Daten ebenfalls selbstständig vom System eingeholt werden. Nach kurzer Durchleuchtung der Informationen wird die Person in eine bestimmte Gefahrenkategorie eingeteilt und gegebenenfalls (z.B. bei "sehr verdächtig") die Polizei informiert.
Konsequenzen

2012 soll INDECT an den Besuchern der Fußball-Europameisterschaft in Polen/der Ukraine getestet werden. Die Ziele dieses Feldversuchs sollen Registrierung von "abnormalem Verhalten" sowie das gezielte Filtern von Sprechchören sein.
2013 wird das Europäische Forschungsprojekt beendet sein. INDECT wird Ergebnisse bringen.
Daten jedes Bürgers aus sämtlichen Datenquellen miteinander verknüpfen und auswerten können. Eigenständig verdächtiges Verhalten auf der Straße registrieren und melden können. Mit INDECT wird man versuchen, vorauszusehen, wo Protest aufkommen könnte - im Idealfall bevor es die Protestierenden selbst wissen. INDECT ist ein Instrument, von dem man sich Einschüchterung, vor allem aber Kontrolle verspricht. Eine Möglichkeit, die Kontrolle zu behalten, ohne auf den Menschen Rücksicht nehmen zu müssen.
INDECT will wissen, was wir tun, bevor wir es selbst wissen.
INDECT wird unsere Gesellschaft nachhaltiger verändern als jede andere Überwachungsmaßnahme bisher.
INDECT wird definieren, was Normalität ist.
INDECT ist der Alptraum von George Orwell.
Wer überwacht die Überwacher?

Aufgrund vielfältiger Kritik beschlossen die Projekt-Verantwortlichen vor nicht allzu langer Zeit eine neue Geheimhaltungsstufe. Welche Daten des Forschungsprojekts an die Öffentlichkeit gelangen, beschließt ab jetzt ein INDECT-"Ethikrat".
Der - veröffentlichte Teil - der Besetzung des Ethikrats besteht aus 4 Polizisten, 2 Forschern im Bereich der Sicherheitstechnologien, 1 Professor für Mensch-Computer Interaktion, 1 Vertreter der Multimedia-Industrie, 1 Professor für Rechtskunde, 1 Rechtsanwalt für Menschenrechte und 1 Professor für Ethik (http://www.indect-project.eu/ethics-boar...).
Wie unabhängig und verantwortungsvoll ein solcherart besetzter Ethikrat entscheiden kann, dieses Urteil sei jedem selbst überlassen...
Links für weitere Informationen

Die offizielle INDECT Webseite der EU:
http://www.indect-project.eu
INDECT bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/INDECT

Kommentare
24.11.2010 / 17:37 jochen, Radio Unerhört Marburg (RUM)
für zip verwendet
am 24.11. gekürzt verwendet