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Arbeits-Sprüche (Langfassung)

        
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Vielleicht wendest du dich direkt an die AutorInnen und fragst dort nach; sie hätten zukünftig die Möglichkeit, beispielsweise Musik zu verwenden, die unter einer geeigneten Creative-Commons-Lizenz (http://de.creativecommons.org/) steht und dann die Beiträge/Sendungen frei zugänglich zu machen.

MitarbeiterInnen Freier Radios können über den internen Bereich unverändert Beiträge über den Sendungsaustausch herunterladen.
Brief description Im Vergleich zur in der BL-Sondersendung "Besser Leben! mit Musik" enthaltenen Version längere Fassung von Aussprüchen und Zitaten rund um's Thema "Arbeit"
Type Gebauter Beitrag
Language deutsch
Subject area Economy/Society, Labour
Series Besser Leben! Das arbeitskritische Magazin
Production Date 02.03.2006
Author/s Klaus Blödow (Produktion), Peter Bußfeld (Produktion), Joanne de Rooij (Zitation)
Radio Besser Leben! Das arbeitskritische Magazin
c/o Medienforum Münster, Verspoel 7 - 8
48143 Münster
fon: 0251 / 60075, fax: 0251 / 60085
anmeldung(at)medienforum-muenster.de
Length 8:44 minutes
Name/Size 20060319-arbeitsspr-11993.mp3 / 8190 kB
File type MPEG-1 Layer 3, 128 kbit/s, Joint Stereo, (44100 kHz)
Date 19.03.2006/17:26
Lizenz keine
Script Arbeits-Sprüche


DIE GEBRATENE AMEISE ODER ARBEIT WAR IHR LEBEN

Bei den fleißigen Ameisen herrscht eine sonderbare Sitte: die Ameise, die in acht Tagen am meisten gearbeitet hat, wird am neunten Tage feierlich gebraten und von den Ameisen ihres Stammes gemeinschaftlich verspeist. Die Ameisen glauben, dass durch dieses Gericht der Arbeitsgeist der Fließigsten auf die Essenden übergehe. Und es ist für die Ameise eine ganz außerordentliche Ehre, feierlich am neunten Tage gebraten und verspeist zu werden. Es ist aber trotzdem ein Mal vorgekommen, dass eine der vorbildlich fleißigsten Ameisen kurz vor dem Gebratenwerden noch folgende kleine Rede hielt: "Meine lieben Brüder und Schwestern! Es ist mir ja ungemein angenehm, dass ihr mich so ungeheuer ehren wollt. Ich muss euch aber gestehen, dass es mir noch angenehmer sein würde, wenn ich nicht die Fleißigste gewesen wäre. Man lebt doch nicht bloß, um sich tot zu schuften!" Wozu denn sonst?", schrieen die Ameisen ihres Stammes und schmissen die große Rednerin schnell in die Bratpfanne. Sonst hätte dieses dumme Tier noch mehr geredet.

Paul Scheerbart (1863 bis 1915)
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Denn das Leben und die Zeit der Menschen sind nicht von Natur aus Arbeit, sie sind Lust, Unstetigkeit, Fest, Ruhe, Bedürfnisse, Zufälle, Begierden, Gewalttätigkeiten, Räubereien etc.. Und diese ganze explosive,
augenblickhafte und diskontinuierliche Energie muss das Kapital in
kontinuierliche und fortlaufend auf dem Markt angebotene Arbeitskraft
transformieren.

Michel Foucault, Wahnsinn und Gesellschaft, 1969
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Wer fleißig ist wie eine Biene und arbeitet wie ein Pferd, wer
spart wie das Eichhörnchen und abends müde ist wie ein Hund, der sollte mal zum Tierarzt gehen - vielleicht ist er ein Esel ...
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Jeder muss von seiner Arbeit leben können, heißt der aufgestellte
Grundsatz. Das Lebenkönnen ist sonach durch die Arbeit bedingt, und es gibt kein solches Recht, wo die Bedingung nicht erfüllt worden.

Johann Gottlieb Fichte, 1797
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Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.

Die Bibel
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Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der
Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er
arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist daher nicht freiwillig,
sondern gezwungen, Zwangsarbeit. Sie ist daher nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses, sondern sie ist nur ein Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen. Ihre Fremdheit tritt darin rein hervor, daß, sobald kein
physischer oder sonstiger Zwang existiert, die Arbeit als eine Pest geflohen wird.

Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, 1844
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Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: der Hang zur Freude nennt sich bereits "Bedürfnis der Erholung" und fängt an, sich vor sich selber zu schämen. "Man ist es seiner Gesundheit schuldig" ? so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es könnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heißt zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe.

Friedrich Nietzsche, Muße und Müßiggang, 1882
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Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der
identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen geschaffen war, und etwas davon wird noch in jeder Kindheit wiederholt.

Max Horkheimer / Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, 1947
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Im Grunde fühlt man jetzt (...), dass eine solche Arbeit die beste Polizei ist, dass sie jeden im Zaun hält und die Entwicklung der Vernunft, der Begehrlichkeit, des Unabhängigkeitsgelüstes kräftig zu hindern versteht. Denn sie verbraucht außerordentlich viel Nervenkraft und entzieht dieselbe dem Nachdenken, Grübeln, Träumen, Sorgen, Lieben, Hassen.

Friedrich Nietzsche, Die Lobredner der Arbeit, 1881
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Die Arbeit muß das Szepter führen,
Knecht soll nur sein, wer müßig geht,
Die Arbeit muß die Welt regieren,
Weil nur durch sie die Welt besteht.

Friedrich Stampfer, Der Arbeit Ehre, 1903
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Das moralische Grundprinzip ist das Recht des Menschen auf seine Arbeit. (...) Für mein Gefühl gibt es nichts Abscheulicheres als ein müßiges Leben. Keiner von uns hat ein Recht darauf. Die Zivilisation hat keinen Platz für Müßiggänger.

Henry Ford
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Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], dass es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren strebt, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt. [...] Nach der einen Seite hin ruft es also alle Mächte der Wissenschaft und der Natur wie der gesellschaftlichen Kombination und des gesellschaftlichen Verkehrs ins Leben, um die Schöpfung des Reichtums (relativ) unabhängig zu machen von der auf sie angewandten Arbeitszeit. Nach der andren Seite will es diese so geschaffnen riesigen Gesellschaftskräfte messen an der Arbeitszeit und sie einbannen in Grenzen, die erheischt sind, um den schon geschaffnen Wert als
Wert zu erhalten.

Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 1857 / 1858
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Die "Arbeit" ist ihrem Wesen nach die unfreie, unmenschliche,
ungesellschaftliche, vom Privateigentum bedingte und das Privateigentum
schaffende Tätigkeit. Die Aufhebung des Privateigentums wird also erst zu
einer Wirklichkeit, wenn sie als Aufhebung der "Arbeit" gefasst wird.

Karl Marx, Über Friedrich Lists Buch "Das nationale System der politischen Ökonomie", 1845


Unser Leben ist der Mord durch Arbeit, wir hängen 60 Jahre lang am Strick und zappeln, aber wir werden uns losschneiden.

Georg Büchner, Dantons Tod, 1835

Kommentare
06.12.2007/18:36 theo, coloRadio, Dresden
einige davon gesendet im Dezember 2007 als Adventskalender
vielen Dank für diese "nutzbringende" Zusammenstellung/ die einzeln geschnittenen Sprüche wurden schon in den verschiedensten Kombinationen eingesetzt
 

 
                
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