Brutaler Abschiebezirkus der Zirndorfer Asylbehörden

ID 9759
 
Am vergangenen Freitag wurde die Familie Avdija nach Slowenien abgeschoben. Ein alltäglicher Vorgang, wenn man der zuständigen Regierung von Mittelfranken zuhört. Nach der EU Verordnung Dublin II ist derjenige EU-Staat für das Asylverfahren zuständig, in dem ein Flüchtling erstmals registriert wurde. Das war im Falle der Familie, die aus dem Kosovo geflüchtet war, Slowenien. Nach Dublin II wird sie also von Deutschland nach Slowenien abgeschoben.
Was einfach klingt, ist bürokratisch, aber selten menschlich, wie das Schicksal der Familie Avdija zeigt. Der Ehemann war bei Bekanntgabe der Abschiebung in Haft genommen worden, die Ehefrau erlitt einen Anfall und unternahm einen Suizidversuch, wurde ins Bezirkskrankenhaus eingewiesen, die Kinder kamen in eine Jugendeinrichtung.
In dieser Situation sollte dann der Familienvater zunächst alleine abgeschoben werden, was durch eine Eilpetition beim Bayerischen Landtag verhindert werden konnte. Die Ehefrau, zwischenzeitlich wieder aus der Psychiatrie entlassen, unternahm angesichts der drohenden Abschiebung einen erneuten Suizidversuch, erneut erfolgte ihre Einweisung in das Bezirkskrankenhaus Erlangen. Am Freitag in aller Frühe sollte die Familie dann mit einer Linienmaschine der Adria Airways nach Ljubljana abgeschoben werden.
Wir fragten Erwin Bartsch, Gemeindepädagoge von St. Rochus in Zirndorf, nach dem Verlauf dieses Tages.


abmod
Damit ist die Geschichte noch nicht zuende. Der Bayerische Flüchtlingsrat, UNHCR und Erwin Bartsch werden versuchen, Kontakt mit der Familie aufzunehmen und eine medizinische Versorgung zu ermöglichen. Aber auch hier könnte die rücksichtslose Durchführung der Abschiebung ein Nachspiel haben. Die SPD Fraktion im Bayerischen Landtag hat für morgen einen Dringlichkeitsantrag im Petitionsausschuss eingebracht. Die Staatsregierung soll über den Vorgang Bericht erstatten und insbesondere soll die Frage geklärt werden, ob Frau Avdija tatsächlich als abschiebefähig gelten konnte. Hier herrschen deutliche Divergenzen zwischen der behandelnden Ärztin des BKH und der Zentralen Rückführungsstelle Nordbayern.
Audio
03:13 min, 3014 kB, mp3
mp3, 128 kbit/s, Mono (44100 kHz)
Upload vom 05.07.2005 / 18:28

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Klassifizierung

Beitragsart: Interview
Sprache: deutsch
Redaktionsbereich: Politik/Info
Entstehung

AutorInnen: Stephan Dünnwald
Kontakt: andraschn(at)web.de
Radio: LoraMuc, München im www
Produktionsdatum: 05.07.2005
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