im FLINTA* Morgenradio: Queer-feministische Nachrichten

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Forscherinnen entwickeln ein neues Vaginalspekulum

Kurzgeschichte gegen Buchverbote und "So etwas wie Memoiren"

Patti Smith veröffentlicht neues Buch "Bread Of Angels"
Expert*innen-Kommission tagt ohne Beteiligung der Betroffenen

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10:20 min, 24 MB, mp3
mp3, 320 kbit/s, Stereo (48000 kHz)
Upload vom 04.12.2025 / 21:44
Klassifizierung

Beitragsart: Nachricht
Sprache: deutsch
Redaktionsbereich:
Serie: MoRa3X
Entstehung

AutorInnen: die meike
Radio: RDL, Freiburg im www
Produktionsdatum: 26.11.2025
Folgender Teil steht als Podcast nicht zur Verfügung
Margaret Atwood 2022 Lizenz: CC BY SA
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Skript

Eine Gute Nachricht für alle, die Angst vor gynäkologischen Untersuchungen haben:Forscherinnen entwickeln ein neues Vaginalspekulum, das „Lilium“

"Ich habe leider viel Erfahrung mit dem Vaginalspekulum. Angenehm war das nie", zitiert das online-Nachrichtenportal watson die niederländische Ingenieurin Tamara Hoveling. Da das kalte, harte, schnabelartige Metallinstrument für viele gebärfähige Menschen genauso wie für Hoveling mit Streß, Schmerz und Angst assoziiert wird, meiden sie oft lebenswichtige Untersuchung wie die Krebsvorsorge. Deshalb hat die Doktorandin für Medizindesign an der TU Delft zusammen mit ihrer Kollegin Ariadna Izcara Gual ein neues Spekulum entwickelt: "Lilium" soll es heißen, nach der Lilienblüte, denn es öffne sich ebenso wie eine. Es besteht aus weichem Kunststoff, erinnere in der Handhabe „an einen Tampon mit Applikator“ (watson) und solle sich sanft und komfortabel einführen lassen.
Bei ihrer Recherche war Hoveling auf die problematische Vergangenheit des Spekulums gestoßen, welche sie "noch mehr motivierte, das Projekt anzugehen": Der US-Arzt James Marion Sims entwickelte nämlich vor rund 180 Jahren eine frühe Version des bekannten Vaginalspekulums – und testete dieses an versklavten Frauen ohne deren Zustimmung.
Noch sei das Lilium lediglich ein Prototyp, der weitere Materialtests, Sicherheitsprüfungen und Zulassungen über sich ergehen lassen müsse, bevor es in Kliniken eingesetzt werden könne, so watson. Bis es in den Praxen ankommt, dauert es daher leider noch ein paar Jahre. Aber dann kann es Patient:innen nicht nur die Angst vor einer Untersuchung nehmen, sondern auch Leben retten.
Und das riesige Interesse an fortschrittlicher, sanfter und komfortzentrierter Forschung für Menschen mit Uterus zeigt sich in der Crowdfunding-Kampagne, die in nur zwei Tagen 100.000 Euro sammelte und in der Automatischen Antwort, die RDL auf eine Interviewanfrage per Mail erhielt: Da hieß es, daß dieses Thema so viel Resonanz erhielte, daß die Anzahl an Nachrichten gerade derart hoch sei, daß es einige Zeit dauern könne, bis wir eine Antwort bekämen.
Für eine bessere Repräsentation von Körpern, die lange unsichtbar gemacht wurden und in der Forschung immer noch unterrepräsentiert sind, warten wir doch gerne!
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Neues von Margaret Atwood:Kurzgeschichte gegen Buchverbote und "So etwas wie Memoiren"

Auf die erneute geplante Verbannung ihres Buches "The Handmaids Tale - Report einer Magd" reagiert die kanadische Autorin Margaret Atwood mit bissiger Satire in Form von Kurzgeschichten, die sie in den sozialen Medien veröffentlicht.
Hunderte Bücher sollten nämlich nach Plänen der kanadischen Provinzregierung von Alberta im Schulbezirk Edmonton aus Klassenzimmern und Bibliotheken verschwinden. Darunter Aldous Huxleys »Schöne neue Welt«, George Orwells »1984« und Margaret Atwoods Dystopie "The Handmaid's Tale", in dem sie ein Bild der USA nach einem Putsch christlicher Fundamentalist*innen zeichnet: In ihrem fiktiven Szenario werden queere Menschen kriminalisiert, cis-Frauen sind reine Gebärmaschinen, dürfen weder arbeiten noch lesen oder schreiben; sie werden das Eigentum ihrer cis-männlichen Verwandten, sind Repression, Gewalt und totaler Kontrolle des totalitären Systems ausgesetzt.
»Ich vermute, sie wollen nicht, dass junge Menschen über Diktaturen nachdenken«, kommentiert Atwood das Vorgehen der Regierung. Nach massiver Kritik ruderte die Provinzregierung nun bereits zurück. Begründet wurde das Verbot mit "pornografischen Inhalten", schreibt der Spiegel.
Seit der Veröffentlichung ihres Bestsellers im Jahr 1985 ist "Report einer Magd" immer wieder aus amerikanischen Bibliotheken und Schulen in verschiednen US-Bundesstaaten verschwunden. Die Ironie ist kaum zu übersehen: Eine Geschichte, geschrieben um vor Zensur, Diktatur, Repression und der Kontrolle über FLINTA* Körper zu warnen, wird selbst Gegenstand der Zensur in der realen Welt. Das traurige Hoch der Bücherverbannungen war - wegen "anti-Christlicher Anschuldigungen", sexueller Inhalte, "Gotteslästerung" und LGBTQ+ Personen in den Hauptrollen - in den ersten acht Monaten des Jahres 2023. Unter der Biden-Administration.
Bereits 2022 setzte Atwood sich mit einem ironischen Videoclip zur Wehr, in dem sie mit einem Feuerwerfer vergeblich versucht, eine feuerfeste Kopie von "Report einer Magd" in Brand zu setzen.
Atwood ist Vizepräsidenten von PEN, internationalen Schriftstellervereinigung, die sich für die Meinungsfreiheit einsetzt. Ihr Werk "The Handmaid's Tale - Report einer Magd" wurde mehrfach verfilmt und als Oper inszeniert.
Sie wurde mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen, hat ihn bisher aber noch nicht bekommen. Jetzt hat sie mit "Book of Lives" auf eine Reise in ihre eigene (literarische) Vergangenheit gemacht. Es ist keine klassische Autobiografie, aber mit einem "scharfe[n] Auge für die wirklich wichtigen Details, [...] große[m] Witz, Lust an Anekdoten und Spaß an Selbstironie", schreibt radio drei. Am Wochenende war die 86jährige im Studio des rbb in Berlin, um über ihre Memoiren zu sprechen.
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Patti Smith veröfffentlicht neues Buch : “Bread Of Angels" (Brot der Engel)

Die Punkpoetin dürfte den meisten von Euch durch ihre Musik z.B. Because The Night bekannt sein. Spätestens mit ihrer Autobiografie Just Kids: Die Geschichte einer Freundschaft über ihre langjährige Beziehung zu dem Fotografen Robert Mapplethorpe ist sie auch eine gefeierte Autorin, die die Leserin von der ersten Seite an in ihren Bann zieht. Mapplethorpe - so heißt es im Allgemeinen - machte sie mit seiner ikonischen Fotografie auf Smiths Albumcover Horses über Nacht berühmt. 1975 erschien das Debütalbum von Patti Smith. Das Foto gilt als „das berühmteste Bild“ der Sängerin und Dichterin. Auch mit fast 80 Jahren geht Smith immer noch auf Tournee. In ihren Büchern nimmt sie kein Blatt vor den Mund; schreibt furchtlos und explizit über Sex, Musik, Religion; über ihre berühmten Zeitgenoss*innen; über Wohnungslosigkeit und Geschlechtskrankheiten.
Jetzt hat sie mit Bread of Angels wieder ein autobiografisches Werk veröffentlicht.
Sie nimmt die Leserin darin mit in ihre Kindheit. "Vielfach wurde es bereits als ihr persönlichstes Buch gelobt", schreibt der stern.


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Reform des Prostituiertenschutzgesetzes Expert*innen-Kommission tagt ohne Beteiligung der Betroffenen

Vergangen Montag fand die erste Sitzung der im Koalitionsvertrag auf Seite 103 festgeschriebenen Expert*innenkommission zum Thema Prostitution statt. Die Kommission soll 1,5 Jahre tagen und ist mit hochkarätigen Menschen u.a. aus Forschung, Sozialarbeit, Rechtswissenschaft, und Medizin besetzt.
Als Berufsverband für Sexarbeitende begrüßt der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. (BesD) eine Reform des Prostituiertenschutzgesetzes. Doch leider wurde keine einzige sexarbeitende Person in die Kommission berufen. Gerade beim hochstigmatisierten Thema Prostitution ist die Innenansicht aus der Branche extrem wichtig. Umso relevanter wird es sein, dass die Perspektiven von Sexarbeiter*innen aus der Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes eine zentrale Rolle bei den Entscheidungen der Kommission spielen.
Die diesjährig abgeschlossene Evaluation liefert eine solide Grundlage für Nachbesserungen:
Es handelt sich um die umfangreichste Studie zur Prostitution in Europa, insbesondere im Hinblick auf die Untersuchung der Situation von Sexarbeitenden. Aufgrund der umfassenden Datenerhebung wird sie als wegweisend für zukünftige Studien und Politik in Europa angesehen. Dank der gezielten Einbindung von Sexarbeiter*innen, zeigen die Ergebnisse deutlich, an welchen Stellen im Gesetz Reformbedarf besteht.
“Sexarbeitende wissen am besten, was sie für ihren Schutz brauchen. Eine Einbindung in den Gesetzgebungsprozess ist unabdingbar”, sagt Johanna Weber, politische Sprecherin des BesD.

PM| Berlin, 24.11.2025 Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V.