Piepvogel der Woche (478): Die Makramee-Eule
ID 140165
Triggerwarnung: Es geht um Augen
Creative Commons BY-NC-SA
Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen erwünscht
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Skript
Heute: Die Makramee-Eule. Grauslicha macramea.
Dieser Vogel ist derzeit schon für eine ganze Weile ausgestorben. Das heißt aber gar nichts, denn
wenn der Zauberwürfel wieder auferstehen kann, dann kann die Makramee-Eule das auch. Jede
Tiergruppe hat ihre Wiedergänger – die Phoenixe399 und 17-Jahr-Zikaden kokettieren mit ihrem Weg-
und-plötzlich-wieder-Da sogar öffentlich. Selbst die 1950er kommen gerade wieder, das wird heute
als Hipster bezeichnet, früher trugen solche Phänomente Titel wie Comeback, Fimmel, Sch[ MEEP]e
schwimmt oben u.v.a.
Aber vor der Makramee-Eule, da muss ich aus eigener Erfahrung vor warnen, denn die kannte ich als
Kind noch. Eine wohnte bei uns im Keller und sie war schon damals grauslich. Die Makramee-Eule
besteht scheinbar aus besonders dickem Garn, an dem sich eine Person, äh, sagenwermal künstlerisch
ausgetobt und ihr eine Frisur aus divers gedrehten Locken, Rippchen oder sonstwie geknüpften
Werkeleien verpasst hat. Ziel der Aktion scheint zu sein, möglichst viel von dem besonders dicken Garn
zu einer textilen Platte zu verarbeiten, die an einem Stock hängt.
Die Augen der Makramee-Eule sind das Schrecklichste, was Du jemals in Deinem Leben gesehen haben
kannst: sie sind pupillenlos und sehen aus wie polierte Holzkugeln und können sich frei um ihre
vertikale Achse drehen, also in den Eulenkörper hineingucken und wieder heraus. Als Kind, wenn Du
nicht begreifst was Du tust, stehst Du vor so einer Makramee-Eule und daddelst und drehst die ganze
Zeit an diesen Augäpfeln herum.
Dann kommt eine lange Phase ((FREUD würde das als Latenzphase bezeichnen), in der Du die Makramee-Eule vergisst, in den Schulpausen mit den
Mathebüchern anstelle von Schlägern Tischtennis spielst, irgendeine Art von im besten Fall berufsqualifizierender Bildung oder Ausbildung durchläufst, danach vielleicht arbeitest oder zum ultimativen
Zeitfresser 2000er Puzzle oder Familiengründung greifst – Reihenfolge und Art all dieser Tätigkeiten
ist wumpe – in irgendwelchen Vereinen Dein Glück findest oder nicht, Tätigkeit auf Tätigkeit häufst, ...
... und eines Tages sitzt Du vielleicht an Deinem Vogelbuch, und Dich glotzen bei der Korrektur des
Kapitels über Eulen plötzlich innerlich, tief aus Deiner Vergangenheit, diese blankpolierten blicklosen
kinderfingerbegrabbelten tausendfachrotierten Holzballaugäpfel der Makramee-Eule im Keller an,
und sie fordert nun den Platz ein, der ihr zusteht. M wie "Mitten in Deinem Kapitel". Mit all ihren
rattigen Flechtwerken und ihrem Holzstock von dem sie herabhängt, statt wie ein ordentlicher Vogel
irgendwo drauf, oder wenigstens irgendwo drin zu sitzen.
Und Dein größtes Problem ist in dem Moment: Wo kriegst Du jetzt dunkelgrüne Kacheln für den
Hintergrund her?
Dieser Vogel ist derzeit schon für eine ganze Weile ausgestorben. Das heißt aber gar nichts, denn
wenn der Zauberwürfel wieder auferstehen kann, dann kann die Makramee-Eule das auch. Jede
Tiergruppe hat ihre Wiedergänger – die Phoenixe399 und 17-Jahr-Zikaden kokettieren mit ihrem Weg-
und-plötzlich-wieder-Da sogar öffentlich. Selbst die 1950er kommen gerade wieder, das wird heute
als Hipster bezeichnet, früher trugen solche Phänomente Titel wie Comeback, Fimmel, Sch[ MEEP]e
schwimmt oben u.v.a.
Aber vor der Makramee-Eule, da muss ich aus eigener Erfahrung vor warnen, denn die kannte ich als
Kind noch. Eine wohnte bei uns im Keller und sie war schon damals grauslich. Die Makramee-Eule
besteht scheinbar aus besonders dickem Garn, an dem sich eine Person, äh, sagenwermal künstlerisch
ausgetobt und ihr eine Frisur aus divers gedrehten Locken, Rippchen oder sonstwie geknüpften
Werkeleien verpasst hat. Ziel der Aktion scheint zu sein, möglichst viel von dem besonders dicken Garn
zu einer textilen Platte zu verarbeiten, die an einem Stock hängt.
Die Augen der Makramee-Eule sind das Schrecklichste, was Du jemals in Deinem Leben gesehen haben
kannst: sie sind pupillenlos und sehen aus wie polierte Holzkugeln und können sich frei um ihre
vertikale Achse drehen, also in den Eulenkörper hineingucken und wieder heraus. Als Kind, wenn Du
nicht begreifst was Du tust, stehst Du vor so einer Makramee-Eule und daddelst und drehst die ganze
Zeit an diesen Augäpfeln herum.
Dann kommt eine lange Phase ((FREUD würde das als Latenzphase bezeichnen), in der Du die Makramee-Eule vergisst, in den Schulpausen mit den
Mathebüchern anstelle von Schlägern Tischtennis spielst, irgendeine Art von im besten Fall berufsqualifizierender Bildung oder Ausbildung durchläufst, danach vielleicht arbeitest oder zum ultimativen
Zeitfresser 2000er Puzzle oder Familiengründung greifst – Reihenfolge und Art all dieser Tätigkeiten
ist wumpe – in irgendwelchen Vereinen Dein Glück findest oder nicht, Tätigkeit auf Tätigkeit häufst, ...
... und eines Tages sitzt Du vielleicht an Deinem Vogelbuch, und Dich glotzen bei der Korrektur des
Kapitels über Eulen plötzlich innerlich, tief aus Deiner Vergangenheit, diese blankpolierten blicklosen
kinderfingerbegrabbelten tausendfachrotierten Holzballaugäpfel der Makramee-Eule im Keller an,
und sie fordert nun den Platz ein, der ihr zusteht. M wie "Mitten in Deinem Kapitel". Mit all ihren
rattigen Flechtwerken und ihrem Holzstock von dem sie herabhängt, statt wie ein ordentlicher Vogel
irgendwo drauf, oder wenigstens irgendwo drin zu sitzen.
Und Dein größtes Problem ist in dem Moment: Wo kriegst Du jetzt dunkelgrüne Kacheln für den
Hintergrund her?

