Piepvogel der Woche (482): Das Ablasshähnchen

ID 140637
 
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Kleiner Vogel, große Münze / By the way: Neuauflage Packeys Tierbuch Version 5.0 ist draußen für genau 0 Euro: vogel-der-woche.de - Menüpunkt "Was ist der Vogel der Woche?"
Audio
03:17 min, 5 MB, mp3
mp3, 192 kbit/s, Stereo (48000 kHz)
Upload vom 02.02.2026 / 08:01
Klassifizierung

Beitragsart: Hörspiel
Sprache: deutsch
Redaktionsbereich: Religion
Serie: Vogel der Woche
Entstehung

AutorInnen: hike (Text); Gregor (Sprecher)
Radio: RUM-90,1, Marburg im www
Produktionsdatum: 02.02.2026
CC BY-NC-SA
Creative Commons BY-NC-SA
Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen erwünscht
Skript
Heute: Das Ablasshähnchen. Crucirallus absolutionis.

Das kleine Ablasshähnchen ist in katholischen Landstrichen an kleinen bis mittelgroßen Stillgewässern mit Schilf- oder Rohrbeständen verbreitet. Es hält sich am liebsten in der Nähe klerikaler Bauwerke auf und hat dazu auch ein angemessenes Habit, welches regional stark variiert und dem jeweiligen Aussehen der örtlichen Kloster- oder Stifts-Insassen ähnelt (die Vermutung liegt nahe, dass die farbliche Ähnlichkeit mit den Habits der örtlichen Mönche kein reiner Zufall ist, aber Näheres darüber ist nicht herauszufinden). Mit seinem beispielsweise schwarzweißen oder dunkelbraunen Gefieder sowie einem Federschopf, der wie eine Kapuze in einen Zipfel ausläuft, oder regional auch einer Tonsur, könnte es in seiner hochgestreckten Balzpose selbst ein kleiner Mönch sein, der da auf dem Seerosenblatt im Kirchweiher steht.

Ab und zu hüpft das Ablasshähnchen auch in die Kirche hinein, dann steht es meist balzend oben auf dem Spendenkasten am Ausgang und bewegt die Gläubigen allein durch sein würdevolles Auftreten, viel mehr zu spenden als diese beabsichtigt hatten, so dass das Kirchenpersonal absolut keine Einwände dagegen hat, wenn ein Vogel, noch dazu ein weiblicher, einen männlichen Klosterbruder karikiert.

Solange das Ablasshähnchen bei seinem Privatleben größte Diskretion walten lässt und mit seinen eindeutig unkatholischen Praktiken wie Geschlechterrollentausch, Vielpartnerei, sowie dem unmönchischen Paarungs- und Eierlegeverhalten tief hinterm Schilf hält, wird seine spendenfördernde Anwesenheit in der Heiligen Räumlichkeit gern gesehen und im Gemeindeblatt mit humorigen kleinen Anekdötchen dezent abgefeiert.

Gelegentlich schreitet das Ablasshähnchen auch gravitätisch mit den jeweiligen Mönchen auf dem jeweiligen Wandelgang, wenn seine jeweilige Balzphase dies gerade erfordert; dies wird vorsichtig touristisch ausgenutzt, gegen einen Obulus kann davon eine Bildkarte erworben werden, die (wie alles, was der Kirche Geld bringt) garantiert Den Obersten Segen hat und im katholischen Lourdesquartett in der Sparte "kleinster Mönch" alle anderen Karten sticht.

Das weibliche Ablasshähnchen ist mit ungefähr zwanzig Zentimetern viel größer als die Ablasshähnchenhähne, die in ihren tarnfarbenen Gefiedern eher wie kleine Wasserrallen aussehen und die Rolle des Brütens und der Kükenaufzucht übernehmen, wie es uns Ornithologen übrigens von mehreren kleinen Rallenvögeln, unter anderem auch vom Odins- und vom Thorshühnchen, bekannt ist.

Aber darüber werdet Ihr im Gemeindeblatt nichts zu lesen bekommen, obwohl der Pfarrer und auch der Küster das ebensogut wissen wie der örtliche Ornithologe, der das Exklusivrecht hat, an den klerikalen Gewässer Beobachtungen zu machen und im Gegenzug dafür ein Schweigegelübde über die Causa Ablasshähnchen abgelegt hat.

Darauf ein Sankt Bimbam.

Kommentare
02.02.2026 / 13:27 RDL, Radio Dreyeckland, Freiburg
P12
02.02.2026 Herzlichen dank