Shtetl Superstars

ID 14075
 
Besprechung der Compilation aktrueller jüdischer Pop Musik des Trikont Labels.
Audio
05:13 min, 5 MB, mp3
mp3, 128 kbit/s, Mono (44100 kHz)
Upload vom 03.10.2006 / 22:52
Klassifizierung

Beitragsart: Rezension
Sprache: deutsch
Redaktionsbereich: Internationales, Musik, Kultur
Serie: Radio Palmares - Magazin
Entstehung

AutorInnen: Thomas Schroedter
Kontakt: tomschrott(at)yahoo.com
Radio: PalmaresPB, Paderborn im www
Produktionsdatum: 03.10.2006
keine Linzenz
Skript
Shtetl Superstars; Trikont
Wie kann man folgende drei Fragen in einer Plattenproduktion beantworten : Was ist eigentlich heute cross over? Wie klingt zeitgenössische jüdische Popmusik? Und was gibt es auf dem Weltmusikmarkt das unbedingt gehört werden soll? Die Antwort heißt „Shtetl Superstars“ und ist eine der Herbstproduktionen des Trikont Label "Unsere Stimme" aus München. Yuriy Gruzhy (der bereits zusammen mit Vladimir Kaminer bei unsere Stimme die Compilation "Russendisko" veröffentlichte) und der Film und Theater Komponist Lemez Lova haben eine Weltreise zusammengestellt die sprachlich, thematisch und musikalisch Grenzüberschreitungen sowohl zum Weg, wie zum Ziel der Reise machen.
Die Wurzeln der Musik sind im Klezmer zu finden, im jiddischen Liedgut, oder besser gesagt in der jüdische Kultur: Die Diaspora, das Exil spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Der Baum der sich heute darüber erhebt, nimmt die Witterungseinflüsse von Punk, Hip Hop und Reggae genau so auf, wie Jazz, Ska oder Drum´ N ´Bass. Die Früchte, die dabei herauskommen entwickeln einen ganz exklusiven Geschmack, der immer wieder eine bekannte Note erspüren lässt.
Die CD wird eröffnet von einem Yuriy Gruzhy Remix, der Amsterdam Klezmer Band. Der Raggamuffin Stil mit dem er den "Immigrant Song" der sieben niederländischen Musiker versieht wird noch ergänzt durch das Akkordeon von Daniel Kahn. Die Amsterdam Klezmer Band wurde bekannt durch die Mischung aus Klezmer, Balkan Gipsy Musik und Jazz. Daniel Kahn Liedermacher aus Kanada, lebt in Berlin und nennt seine Musik Verfremdungsklezmer und dazu eben ein DJ der dem ganzen noch einmal eine neue Richtung gibt. Dieser Einstieg in die Musik eröffnet eine Zusammenstellung, die immer wieder überrascht, die nicht für möglich gehaltenes möglich macht und die doch irgendwie logisch erscheint. So zum Beispiel Terry Hall von den Specials und Mushtaq von Fun-da-mentel, die vor drei Jahren eine CD in England produzierten. Bei dieser Produktion verwoben die beiden ihre unterschiedlichen musikalischen Vorgeschichten zu einer hörenswerten Synthese. Mit "This and That" steuern sie einen der langsameren Songs der Shtetl Compilation bei. Ein arabisch-jüdischer Song, der wesentlich mehr, als ein friedliches Miteinander demonstriert.
Ein weiterer Künstler der schon als Person für eine Unwahrscheinlichkeit steht ist Remedy: Als jüdischer Weißer rappt er im Wu Tan Clan. Bekannt wurde er unter anderem durch seinen Titel "White boy", in dem er über seine Schwierigkeiten als Aussenseiter in dieser Scene singt. Mit "Never again" steuert er einen Rap bei, der den Holocaust thematisiert und den Rassisten ein "niemals werden wir wieder wie Schafe zum Schlachter marschieren" entgegen schmettert.
Mit einem wachsenden Rassismus sind auch Pakava It´ in Moskau konfrontiert. Sie halten dem eine Mischung aus Polka, Funk, Latin und Ska auf einer Klezmer Grundlage entgegen. Auf dieser Zusammenstellung kommen sie allerdings mit "Klezmer Ivanych" schon fast traditional anmutend daher. Ganz anders Ha Biluim aus Israel. "Hora beats aus dem Kibbuz und Punk-Rockabilly Gitarren" so beschreiben sie ihre Musik und im Grunde ist es Punk Pop mit finsteren Texten.
Die Reise blickt einmal bei Surf Musik vorbei (Astroglides) und macht mal beim Glam Rock halt (Boogie Balagan). Das die jungen jüdischen Musikerinnen und Musiker in der Diaspora die verschiedenen Stile verarbeiten ist ja nahe liegend. Die letztgenannten Bands sind genau wie Boom Pam allerdings Bands aus Israel. Letztere beantworten die Frage nach dem Warum für diese Vielfalt folgendermaßen: "Dieser Mix zeigt, wie Israel wirklich ist, denn hier treffen Leute aus aller Welt aufein­ander. Die haben ihre eigene Kultur, ihre Musik—wir haben einige großartige ältere Musi­ker hier, die aus den verschiedensten Ländern kommen. Israelische Musik ist im Grunde immer ein Mix von all dem und nichts, was wir schon als israelische Musik definiert hätten." Was sie hier für ihre eigene Musik sagen, gilt um so mehr für die ganze Zusammenstellung.
"Funky Jewish Sound from around the World", heißt es im Untertitel der CD. Das ist vielleicht für die Spannbreite der 19 Titel etwas zu kurz gegriffen. Denn bei dieser Zusammenstellung wird eine Musik -vor allem auf der Basis von Klezmer- über die verschiedenen popmusikalischen Grenzen geschickt, dass allein die Frage bleibt: Warum erst jetzt?
Thomas Schroedter

Kommentare
07.10.2006 / 15:33 michi,
gesendet
im zip vom 06.10.
 
11.10.2006 / 12:44 wally - radio Z, Radio Z, Nürnberg
gesendet
im stoffwechsel 11.10.
 
11.10.2006 / 12:44 wally - radio Z, Radio Z, Nürnberg
gesendet
im stoffwechsel 11.10.