Pilgerfahrt ... oder ... Die Wahrheit über Plattensammler

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1. Teil (Hauptteil)
» ..., das mögen wir doch? «

Vor 30 Jahren wurde eine einzigartige Schallplatte veröffentlicht, sicher eine der erfrischendsten der neunziger Jahre. Doch mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Lassen Sie sich überraschen! Ein renommiertes Musiklexikon klassifiziert die Stimmungen der Platte als cerebral (geistig, intellektuell), detached (gelöst, abgeklärt, unbeteiligt, freistehend), hypnotic (hypnotisch, hypnotisierend), trippy (schräg, psychedelisch), volatile (wechselhaft, flüchtig, unbeständig).

„Eine Sammlung, zu der nichts
hinzukommt, ist eigentlich tot.“
Sigmund Freud

1994 ... Endlich waren wir in England, dem Land von Mark E. Smith und John Peel, dem Land von Indiepop und Grindcore, dem Land von Wild Billy Childish und Mister Bean.
Die Plattenläden betreibenden mehr oder weniger sympathischen Einsiedler sind eine Spezies für sich, im Roman „High Fidelity“ (von Nick Hornby) sollte ihnen nur wenig später ein Denkmal gesetzt werden. Um wieviel intensiver würden solche Erlebnisse nun in England, dem Stammland der Pop- und Indiekultur sein? Zwei Wochen lang würden wir ziellos durchs Land reisen, in der Hoffnung, erstens nicht gar so viel Bekanntschaft mit dem sprichwörtlichen englischen Wetter zu machen, und zweitens auch immer eine Unterkunft, sprich einen Campingplatz zu finden.

Die Musik auf der Scheibe war so bunt wie das Cover farblos, nämlich schwarz-weiß. Ganz in der bescheidenen Ästhetik eines fotokopierten Indie-Fanzines. Die CD mit der klangvollen Liste der erlesenen Bands kostete 5 britische Pfund, das waren ungefähr 13 DM (heute 6,50 €), also fast geschenkt ... Streaming und Podcasts gab es ja noch nicht, nicht einmal erschwingliche CD-Brenner oder die notorischen MP3-Tauschbörsen wie Napster und Co. Ein guter Tonträger war also das Ding der Wahl, wenn man sich die Musik nicht von jemand anders auf rauschendes Tonband aufnehmen wollte.
Mir war klar: Hier beginnt eine ganz, ganz neue musikalische Ära. Vielleicht läßt sich sogar sagen, daß erst jetzt, als ich 1994 diesen Sampler in Händen hielt, die musikalischen 90er Jahre wirklich begannen. Das jedenfalls damals meine feste Überzeugung, so viel weiß ich noch und finde es auch immer noch nachvollziehbar.


Dauer: 60 Minuten

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Audio
01:00:00 h, 55 MB, mp3
mp3, 128 kbit/s, Stereo (48000 kHz)
Upload vom 12.05.2025 / 12:53
Klassifizierung

Beitragsart: Feature
Sprache: deutsch
Redaktionsbereich: Musik, Jugend, Kultur
Serie: Hörsturz - dialektisches Musikmagazin
Entstehung

AutorInnen: der radiotrinker
Radio: Querfunk, Karlsruhe im www
Produktionsdatum: 09.05.2024
Folgender Teil steht als Podcast nicht zur Verfügung
 
Image
0 MB,
Anzeige neben Beitragsbeschreibung
Upload vom 13.05.2024 / 16:26
CC BY-ND-NC
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