Americana Music

ID 140575
 
"Americana" bezeichnet die Musikstile, die sich in America (hauptsächlich USA und Canada), einem Schmelztigel verschiedener Kulturen, entwickelt haben. Americana setzt sich zusammen aus Bluegrass, Folk, Country, Blues, Soul, Gospel und Rock Musik.

Die Anfänge gehen auf Folk Music zurück, die auf dem Land von Laien zur Entspannung nach der Arbeit gespielt und in der Geschichten erzählt wurden. Die wichtigsten Instrumente waren und sind akustische Gitarre, Banjo, Fiddle, Mandoline und Kontrabass, und ab den 1960 Jahren auch die Instrumente der Rockmusik.

In diesem ersten Programm gibt es einen Überblick über die Historie und die Entwicklung der Musik, sowie viele tolle Songs von den frühen einflussreichen Musikern.
Audio
59:59 min, 81 MB, mp3
mp3, 189 kbit/s, Stereo (44100 kHz)
Upload vom 28.01.2026 / 21:20
Klassifizierung

Beitragsart: Feature
Sprache: deutsch
Redaktionsbereich: Kultur, Musik, Internationales
Serie: Americana Music
Entstehung

AutorInnen: Martin Lixenfeld
Radio: coloradio, Dresden im www
Produktionsdatum: 28.01.2026
CC BY-ND-NC
Creative Commons BY-ND-NC
Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International - Weitergabe unter gleichen Bedingungen erwünscht
Skript
Americana Music 1
60 Minuten und 12 Songs


Start Sound

Start Sound: Martin Lixenfeld – Take Me Down To The River - Excerpt

Start Clip

Hallo, hier ist "Americana Music" mit mir, Martin Lixenfeld, einem Singer / Songwriter aus Dresden. Ich liebe und spiele neben meinen eigenen Songs amerikanische Musik, oder "Americana". Dies ist mein Programm über die Geschichte, die verschiedenen Stile, Instrumente und Musiker und natürlich mit den allerfeinsten Songs aus dieser Musik. Jeden dritten Samstag im Monat um 17 Uhr für eine Stunde hier auf coloRadio, in Dresden zu hören auf FM 98,4 und 99,3 MegaHertz, sowie von Riesa bis Görlitz auf DAB+.


Clip 1

Erstes Kapitel: Was ist Americana Music?

Die USA ist ein Einwanderungsland und mit den Musikern kamen die Instrumente, die Songs und die Instrumental- und Gesangsstile aus England, Irland, Schottland, Deutschland und vielen anderen Ländern, vermischten sich mit den Rhythmen aus Afrika, verselbständigten sich und entwickelten sich weiter.

Americana setzt sich zusammen aus den Musikstilen Bluegrass, Folk, Country, Blues, Soul, Gospel und Rock Musik.

Die Anfänge gehen auf Folk Music zurück, die auf dem Land von Laien zur Entspannung nach der Arbeit gespielt und in der Geschichten erzählt wurden. Die wichtigsten Instrumente waren und sind akustische Gitarre, Banjo, Fiddle, Mandoline und Kontrabass.

Song 1: Hazel Dickens und Alice Gerrard – Long Black Veil


Clip 2

Das war ein typischer Bluegrass Song gesungen mit den "high lonesome" Gesangsharmonien von zwei Frauen, Hazel Dickens und Alice Gerrard, von dem Album "Pioneering Women Of Bluegrass" auf Folkways Records.

Übrigens war das erste Album, auf dem ich vor langer Zeit als junger Musiker mitwirkte, ein Folk-Rock Album, ebenfalls erschienen auf Folkways Records. Lang, lang ists her!

Dieser Song, Long Black Veil, geschrieben von Danny Dill und Marijohn Wilkin ist ein Country Standard geworden.

Der Protagonist erzählt die Geschichte von jenseits des Grabes: Er wird eines Mordes beschuldigt, nimmt aber sein Alibi mit ins Grab, anstatt die Frau seines Freundes zu verraten, mit der er zur Zeit der Tat zusammen war. Und sein Grab wird immer wieder besucht von einer mysteriösen Frau im langen schwarzen Schleier.

Buegrass Music, von schottischen Einwanderern in den Appalachen gespielt, ist oft rein instrumentale Musik, mit Improvisationen aus dem Jazz entliehen, wenn auch harmonisch einfacher, aber oft schnell und virtuos gespielt. Oder eben gesungen, wie wir eben gehört haben.

Und aus der Folk Musik kamen Songs mit Texten, die einerseits Geschichten erzählten, und andererseits vom harten Leben der Musiker selber berichten, aber auch ernste und politische Themen nicht scheuten.

Song 2: Tom Paxton and Anne Hill – There Goes The Mountain


Clip 3

Das waren Tom Paxton and Anne Hill mit einem Song von Paxton über das Verschwinden eines Berges durch den Bergbau. Ein Protestsong, typisch für das Folk Music Revival in den USA in den 60er Jahren.

Zweites Kapitel: American Songwriters

Bekannte Namen in diesem Revival waren unter anderem Pete Seeger, Woody Guthrie, Joan Baez und später Judy Collins (als „Judy Blue Eyes“ besungen von Stephen Stills), Joni Mitchell und viele andere. Das Bild vom Musiker in dieser Zeit wandelte sich zum Songwriter und Interpreten in Personalunion, was in der Vergangenheit selten der Fall gewesen war.

Ein Name, an dem man natürlich an dieser Stelle nicht vorbeikommt, ist Bob Dylan, der erst als handelsüblicher Folkie auf der Szene erschien.

1965 wechselte er auf die dunkle Seite, wie ihm vorgeworfen wurde mit einer elektrischen Band und Songs, die keine Protestsongs mit klarer Botschaft mehr waren, sondern, beeinflusst von generellen Entwicklungen sonstwo in Musik, Literatur und der Gesellschaft, persönlichere und abstraktere Themen behandelten.

Song 3: Bob Dylan – Like A Rolling Stone


Clip 4

Bob Dylan ist der einzige Singer / Songwriter, der einen Literatur Nobelpreis verliehen bekommen hat. Und die berühmteste Rockband der Welt benannte sich nach diesem Song, den wir gerade gehört haben.

Mit diesen Einflüssen, einerseits textlich ambitionierter sein zu können, und andererseits akustisch oder elektrisch arbeiten zu können, war das Feld offen für viel weitreichendere Neuerungen.

Und plötzlich konnten "Folkies" und Songwriter zu Stars werden. Songs konnten persönlich und konnten offene Briefe sein. Als Joan Baez diesen Song veröffentlichte, wusste ihr Publikum ganz genau, wen sie meinte.

Song 4: Joan Baez – Diamonds and Rust


Clip 5

Das war der Titelsong von ihrem Album Diamonds And Rust. Und der Besungene, "already a legend, the unwashed phenomenon“ war natürlich kein anderer als Bob Dylan.


Und Folk Music verarbeitete ab der Mitte der 60er Jahre Einflüsse von den Beatles, die zu dieser Zeit in Amerika für Furore sorgten, sowie Einflüsse der Country Musik, die in ihren Texten und ihren Arrangements konservativ war und konsumorientiert. Aber es gab junge Musiker, die in dieser Melange Möglichkeiten für individuellen Ausdruck sahen. Die vielleicht wichtigste Band waren hier die Byrds.

Song 5: The Byrds – Hickory Wind


Clip 6

Drittes Kapitel: Cosmic American Music und der Mythos America

Gram Parsons war bei den Byrds eingestiegen, um seiner Vision der "Cosmic American Music" näherzukommen. Diese Rock Band erweiterte ihr Instrumentarium sowohl um das des Bluegrass, Fiddle, Banjo, akustische Gitarre, als auch das der kommerziellen Country Musik, mit der Pedal Steel Guitar besonders im Vordergrund, wie im Song "Hickory Wind", von Gram Parsons und Bob Buchanan soeben deutlich zu hören war.

Hier wurde ganz bewusst ein eigener Sound geschaffen aus sorgfältig zusammengestellten Stilelementen. Und man hört nicht unbedingt eine tiefe Verwurzelung in einem bestimmten Musikstil, sondern das Zitieren, durchaus mit etwas künstlerischem Abstand. Eine gewissermaßen postmoderne Einstellung zur Kunst. Das Album „Sweetheart Of The Rodeo“ gilt als das definitive Country Rock Album und wird immer wieder gelistet als eines der einflussreichsten Alben des 20sten Jahrhunderts.

Gram Parsons ruhte sich natürlich nicht aus auf diesen Erfolgen, sondern begann Aufnahmen für das erstem Album unter seinem eigenen Namen.

Song 6: Gram Parsons – We'll Sweep Out The Ashes In The Morning


Clip 7

We'll Sweep Out The Ashes In The Morning, von Joyce Allsup, von Gram Parsons erstem Album, das er selbstbewusst "GP" nannte.

Keine Eigenkomposition, aber es kam seiner Vision von "Cosmic American Music" sehr nah.

Er hatte eine Crack Band versammelt, mit dem kompletten Instrumentarium wie vorher in den Byrds angedeutet, akustische Instrumente, eine Rockband und, ganz prominent, Pedal Steel Guitar.

Und das Element, das bei den Byrds und den Flying Burrito Brothers noch gefehlt hatte: eine ihm stimmlich ebenbürtige Sängerin, mit der er an berühmte Mann/Frau Country Duette aus den 50er und 60er Jahren anknüpfen konnte: Emmylou Harris.

Song 7: Gram Parsons – Love Hurts







Middle Clip

Ihr hört gerade "Americana Music" mit mir, Martin Lixenfeld, über die Geschichte, die verschiedenen Stile, Instrumente und Musiker und natürlich mit den allerfeinsten Songs aus dieser Musik. Jeden dritten Samstag im Monat um 17 Uhr für eine Stunde hier auf coloRadio, in Dresden zu hören auf FM 98,4 und 99,3 MegaHertz, sowie von Riesa bis Görlitz auf DAB+.


Clip 8

Und der Song soeben war Love Hurts, geschrieben von Boudleaux Bryant, veröffentlicht 1974 auf Gram Parsons zweiten und letzten Album "The Return Of The Grievous Angel". Das war ebenfalls keine Eigenkomposition, sondern bereits zu dieser Zeit ein bekannter Song, da die Everly Brothers knapp 10 Jahre zuvor hiermit einen Hit hatten.

Es ist sozusagen ein Markenzeichen und bis heute übliche Praxis unter Americana Künstlern, dass bekannte Country- und Country-Pop Songs immer wieder aufgegriffen werden, was diese Songs gewissermaßen zu Standards edelt. Einerseits sind es natürlich einfach tolle Songs, die wieder und wieder gespielt und gesungen werden, und andererseits ist dies auch eine bewusste Positionierung der Künstler, eine Erklärung, dass diese Songs dazugehören, bzw. dass der Künstler sich in diesen Songs zuhause fühlt.

Gram Parsons kam nicht mehr dazu, ein weiteres Album zu veröffentlichen, er verstarb nach den Aufnahmen für dieses Album an einer Drogen-Überdosis mit knapp 27 Jahren.

Trotzdem gilt er mit seiner Mitarbeit bei den Birds, den Flying Burrito Brothers und letztlich mit den zwei Alben unter seinem Namen als einer der einflussreichsten Musiker in der neuen Country-Welle der späten 60er und der 70er Jahre. Und hier noch ein Song aus seiner eigenen Feder.

Song 8: Gram Parsons – The Return Of The Grievous Angel


Clip 9

Das war "Return Of The Grievous Angel", auf Deutsch etwa "Die Rückkehr des betrübten Engels", der Titelsong von Gram Parsons zweitem Album. Hier finden wir einen literarischen Umgang mit den speziellen amerikanischen Mythen, wie sie in Songs besungen und in Filmen, Theaterstücken und Musicals immer wieder behandelt wurden und immer noch behandelt werden.
Hier wird die Sehnsucht nach einem alten, mythischen Amerika mit Prärie und Veranda, mit Cowboys, mit Calico Bonnets (einer Haube, getragen von Frauen im 19ten Jahrhundert und in jedem Western Film zu sehen) und einem Saloon in jeder Stadt besungen, einem Amerika, dem der betrübte Engel bei seiner Rückkehr -Rückkehr wohin?- ebenso begegnet, wie dem modernen Amerika mit Radiowerbung, Billboards und Truckstops, den typischen Klischees der Country Musik.

All dies, und besonders der bewusste und literarische Umgang mit diesen Mythen und Klischees zeichnet die "Cosmic American Music" aus, welche erst später "Americana" betitelt wurde.

Song 9: Gram Parsons – In My Hour Of Darkness


Clip 10

Das war In My Hour Of Darkness, der letzte Song auf Grams Grievous Angel album, bemerkenswert unter anderem dafür, dass der Song eine Komposition von Gram Parsons und Emmylou Harris ist, und dass Linda Ronstead mitsingt.

Viertes Kapitel: Emmylou Harris

Gram Parsons war auf der Suche gewesen nach einer Harmonie-Sängerin, und Emmylou Harris war eine Folk-Sängerin, die in Clubs in Washington spielte. Sie hatte ein Folk-Album unter ihrem Namen veröffentlicht, aber ohne nennenswerten Erfolg. In einem Nachtclub nach einem ihrer Konzerte überhörte Emmylou's Babysitter wie sich Bandmitglieder der Flying Burritos Brothers positiv über sie äußerten, und leitete die Information weiter. Und der Rest, wie man sagt, ist Geschichte.

Der Rapport zwischen Emmylou and Gram war phantastisch gewesen, und Emmylou hatte hiermit ihre musikalische Richtung gefunden. Nach Grams Tod bekam sie, aufgrund der Stärke der Aufnahmen mit ihm, einen eigenen Plattenvertrag, und veröffentlichte 1975 ihr erstes erfolgreiches Soloalbum: Pieces Of The Sky.

Und sicherlich der stärkste Song auf dem Album hat Gram Parsons und ihre Trauer über seinen frühen Tod zum Thema. "I would walk all the way from Boulder to Birmingham / If I thought I could see / I could see your face", auf Deutsch etwa: "Ich würde von Boulder nach Birmingham zu Fuß gehen, wenn ich Dich nur noch einmal sehen könnte". Und Boulder, Colorado nach Birmingham, Alabama sind weit über 2000km.

Song 10: Emmylou Harris – Boulder To Birmingham

Clip 11

Mit diesem und den beiden nächsten Alben zementierte Emmylou Harris ihre "Country Credentials". Sie hatte volle Unterstützung von ihrer Plattenfirma Warner Brothers, Brian Ahern produzierte und stellte ihr Top-Musiker an die Seite. Für Material bediente sie sich einerseits aus dem üppigen Repertoir der klassischen Country Songs, aber auch Beatles Covers waren hier und da dabei. Andererseits schrieb sie selber, meist in Zusammenarbeit mit anderen, häufig mit Rodney Crowell, dem wir ein späteres Programm widmen werden.

Das Album Elite Hotel brachte ihr ihren ersten Grammy ein für "Best Female Country Vocal Performance".
Und es tauchen immer wieder Songs von Gram Parsons auf, wie dieser von ihrem nächsten Album Luxury Liner.

Song 11: Emmylou Harris – She


Clip 12

Hiermit war sie definitiv der neue Star im Country Himmel, und ihre Plattenfirma schlug vor, sich auf Country-Pop Crossover Musik
zu konzentrieren, und damit ein Superstar zu werden. Aber Emmylou hatte andere Ideen.
Sie begann, sich für Material von weniger bekannten, aber in "Alternative Country" Kreisen angesagten Songwritern umzusehen, wie diesen Song von Townes van Zandt.

Song 12: Emmylou Harris - Pancho And Lefty


End Clip

Das war, "Americana Music" mit mir, Martin Lixenfeld, über die Geschichte, die verschiedenen Stile, Instrumente und Musiker und natürlich mit den allerfeinsten Songs aus dieser Musik. Jeden dritten Samstag im Monat um 17 Uhr für eine Stunde hier auf coloRadio, in Dresden zu hören auf FM 98,4 und 99,3 MegaHertz, sowie von Riesa bis Görlitz auf DAB+.

Und wenn Euch das Programm gefallen hat, meldet Euch gerne unter martin.lixenfeld@coloradio.org das ist Martin.l-i-x-e-n-Feld@coloradio.org, ich würde mich freuen. Auch natürlich über Fragen, Anregungen, Kritik oder Vorschläge.


Programm 1 End Clip

Bis zum nächsten Mal, wo wir die Karriere und die wundervolle Musik von Emmylou Harris weiter beleuchten werden. Bis zum 21. Februar wieder um 17:00 Uhr!